Dienstag, 24.11.2009
Mein gutes Recht vergiftet das Dienstleistungsklima
Dieser Hang für jeden Driss den Anwalt zu bemühen, vergiftet nachhaltig das Dienstleistungsgewerbe finde ich.
Zum einen ist es mal rein menschlich sehr unschön, dem anderen direkt das allerschlimmste zu unterstellen, nur weil der sich selbständig gemacht hat. Außerdem gibt ja noch andere Mittel und Wege, Unstimmigkeiten aus der Welt zu schaffen. Und ich meine Unstimmigkeiten und nicht eindeutig kriminelle Machenschaften wie z.B. die Verwendung abgelaufenen Hackfleisches oder sonstige potentiell gesundheitschädliche Methoden. So etwas kommt leider auch vor und muss natürlich geahndet werden. Es ist aber wie in jedem Berufszweig nicht die Regel.
Wenn einem was an einem Betrieb absolut nicht gefällt, dann ist es doch viel effektiver, die guten Betriebe am Leben zu halten und die schlechten zu meiden, statt auf "Hauptsache billig" und "sei mir zu willen, sonst klag ich" zu machen.
Zwar bin ich bislang von Klagen verschont geblieben, aber ich kann mir schon vorstellen, dass das Zeit und Geld kostet, selbst wenn man Recht bekommt. Wo kommt das Geld her? Klar, ich müsste es auf die Waren umlegen. In einem Klima, in dem man ständig von Klage bedroht wird, selbst wenn man sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, steigen also die Preise. Und ich hab noch nicht erwähnt, dass Gerichte meiner Meinung nach wichtigere Dinge zu tun haben, als sich um 8-Euro-Beträge zu kümmern, "weil es halt um's Prinzip geht".
Aber mal abgesehen davon: Wer mag denn unter solchen Bedingungen arbeiten? Ich jedenfalls nicht. Wenn sich also diese von den Boulevard-Medien angeheizte "das ist mein Recht und sonst klag ich"-Mentalität durchsetzt, dann erreicht man im Grunde nur eins: Dass die anständigen Dienstleister laufen gehen und wirklich nur die Betrüger übrig bleiben, die sich dann aber besonders geschickt anstellen. Denen macht es ja nichts aus, als Betrüger beschimpft zu werden.
Kommentare
Beziehst du dich auf einen konkreten Fall oder ist das nur eine Entwicklung, die du schon länger verfolgst und mal ansprechen wolltest?
Oh, ich habe grad die Kommentare zum anderen Artikel überflogen... :) Frage erledigt.
Ich denke, hier hast Du etwas durcheinandergebracht, siehe auch meinen letzten Post zum vorherigen Artikel. Der Punkt "man ja klagen, wenn man will" kam schließlich von Dir in Deinem Nachtrag.
Davon abgesehen geht es ja auch nicht um Unstimmigkeiten algemein, die man selbstverständlich mit einer gewissen Toleranz auf beiden Seiten direkt klären sollte, sondern um die Rotzigkeit, die in diesem und anderen Artikel zu Tage tritt, mit der Du Deine Fehler auf Deine Kunden abwälzt. Im Sinne von "der soll sich mal nicht so anstellen". Mal abstrakt gesehen: es geht um ein Geschäft Ware gegen Geld. Die Qualität oder Quantität der Ware schwankt. Darf das auf der Kundenseite dann auch mal schwanken, d.h. der Kunde zahlt mal den vereinbarten Preis, mal ein bißchen weniger ... Würdest Du das tolerieren ?
Reg dich doch nicht immer so auf. Es wird immer Leute geben, die über alles meckern und es gibt zu wenige, die die Erfahrung der Selbständigkeit gemacht haben. Trotzdem finde ich, dass die Pizzen auch die Größe haben sollten wie angegeben und nicht nur das Gewicht, weil man sich als Kunde dann zufriedener fühlt, wenn die Pizza groß ist. Es geht nicht darum, ob das vom Gewicht her erlaubt ist oder sonst was, sondern darum, dass man es sich einfach machen kann, den Kunden zufrieden zu stellen. Es geht um das Gefühl, was er bekommt. Wenn er eine 28 cm Pizza bestellt und nur 26 bekommt, fühlt er sich, als würde er ein 0,5 l Bier bestellen und nur ein 0,4 l bekommen.
Und lass dich nicht immer so provozieren - alle die schon mal einen eigenen Laden hatten, können dich gut verstehen.
Als Kunde weiß man im Allgemeinen auch nicht, dass es beim Pizzadienst nach Gewicht geht. Und wenn die Pizza dann "irgendwie klein" ist, wundert man sich halt.
Dafür muss man gar nicht unbedingt nachmessen. Wenn die 28er vom einen Lieferdienst genau auf den Pizzateller passt, die von dem anderen aber überall noch einen Zentimeter Rand läßt, fällt das schon auf.
Aber dann gleich mit Anwalt drohen ist hier genauso überzogen wie die Abmahner, über die sich in Blogs immer aufgeregt wird. Man kann freundlich drauf hinweisen.
Da erfährt man dann vielleicht, dass die Zutaten eh nach Gewicht gehen, einem also nichts entgeht. Oder der Pizzadienst seine Formen falsch gemmesen/den falschen Angaben vertraut hat.
Dann kann der Lieferdienst seinen Fehler korrigieren, und alle sind glücklich.
Und ein ehrlicher Lieferdienst wird sich bemühen den Fehler zu korrigieren, um den Kunden zu zeigen "wir wollen euch nicht betrügen".
Sollte es wirklich vorsätzlich sein, und weiter gehen wie bisher, kann man immer noch überlegen, ob man etwas unfreundlicher Auftritt.
Oder einfach da nicht mehr bestellt.
Hallo,
also meine bescheidene Meinung dazu. Naja, also ich würde NIE auf die Idee kommen die Pizza zu vermessen. Ich glaube auf solche Dinge kommen auch nur wir Deutschen (Klischee wieder aus). Wenn ich satt bin, die Pizza gut war und mir den Preis wert, dann bin ich glücklich und zufrieden.
Um ehrlich zu sein. Ich hab andere Probleme als ob ne Pizza 1-2 cm größer oder kleiner ist *g*.
Mein Tip, nicht alles so ernst sehen. Mit etwas Humor und Toleranz den Kleinigkeiten im Leben gegenüber lebt es sich friedlicher, leichter und einfacher.
Das waren meine 100 Pfennige... ähhh 50 cent *g*