Mittwoch, 25.11.2009
Die Biopizza mit Formschinken
Da bin ich letztens über so einen Fall gestolpert. Ein Kollege meinte zu mir: "Biete doch Bio-Pizza an!" Hatten wir sogar ausprobiert mit Vollkorn-Teig. Aber irgendwie schmeckte der Teig nach einhelliger Meinung der Testesser zu intensiv. Also eher brot- als pizzamäßig. Aber man ist ja neugierig und schaut auch, was die Kollegen so haben.
Ich hab dann einen gefunden, der tatsächlich Biopizza im Programm hatte. Wobei nirgends stand, was die Bio so Bio machen sollte. Na ja. Gewundert hat mich dann an der Pizza Prosciutto (also mit Schinken) die kleine Zahl neben Schinken. Ein deklarierungspflichtiger Zusatzstoff? Bei Biopizza?
Was macht man da? Man schlägt halt unterm Kleingedruckten nach, wofür die Zahl steht. In dem Fall war es "Formschinken".
Ne Biopizza mit Formschinken. So, so. Ich will nicht wissen, wieviele Kunden auf den Trick reinfallen, weil die das Kleingedruckte nicht lesen und dann meinen, dass sie da was ganz besonders Tolles kriegen. Und teurer als die "normale" Pizza war es auch noch.
Aber wundert mich nicht wirklich. Von meinem Lieferanten, der sehr viele Kollegen aus der Umgebung mit Waren beliefert, hab ich erfahren, warum es ab und an bei mir mit dem Vorderschinken Lieferschwierigkeiten gibt. Sie können nicht so viel davon auf Lager haben und nur kleine Mengen bei ihrem Lieferanten bestellen. Denn wir sind einer von 2 - in Worten zwei - Betrieben, die den echten Schinken bestellen. Der Rest benutzt ausnahmslos Formschinken. Und ich weiß, dass unter den Kunden, die dieser Lieferant ansteuert, auch ein großer Freizeitpark in der Nähe ist. Da gibt es auch nen Betrieb drin der Pizza verkauft. Natürlich auch mit "Schinken". Oder wohl eher Schlachtabfällen. Ich wage es mal zu bezweifeln, dass ausgerechnet der, der andere Betrieb mit dem echten Schinken ist.
Noch vor 1-2 Jahren war der Formschinken eher die Ausnahme hier im Gewerbe. Und jetzt das. Irgendwas muss ich verpasst haben. Im Grunde muss man heute also in unserer Gegend Glück haben, überhaupt mal einen zu erwischen, der keinen Formschinken verwendet. Und dann muss es einem noch da schmecken. Das gleich gilt übrigens für Putenfleisch z.B. auf Salat. Ich hab mal bei nem Mitbewerber nen Testkauf gemacht, um zu sehen, was der so unter "Putenstreifen" versteht. Am besten nimmt man dann einen Salat. Da kann man die Qualität des Fleisches noch am besten sehen.
Es entpuppte sich dann als paniertes Formfleisch, das halt in Streifen geschnitten wurde. Putenstreifen sagt ja nichts über die Qualität des Fleisches aus. Es war eben irgendwann mal ein Teil einer Pute. Welcher Teil? Wen interessiert das schon? Inzwischen anscheinend keine Sau.
Kommentare
Vielen Dank für die Aufklärung. Da denkt man, man selber hat Ahnung und weiß worauf man achten soll, da kriegt man wieder eine Lehrstunde.
Wobei es eigentlich klar sein sollte, dass Formfleisch minderwertiges Fleisch ist. In Zukunft achte ich darauf, um auch die Läden mit meinem Geld zu belohnen, die selber auch darauf achten.
Gruß
Bio sagt aber nur aus wie die Sau gehalten wurde, nicht welcher Teil davon verarbeitet wurde - Formschinken gibt es auch von glücklichen Säuen, sozusagen.
Bezüglich Bio: Da du Anwälte ja offenbar nicht so sehr magst, würde ich von einem Bio im Namen dringend abraten(http://de.wikipedia.org/wiki/Bio-Siegel).
Theoretisch kann Formschinken auch Bio sein.
Hi,
da lob ich mir doch eine etwas größere Pizzakette die in Ihrer Karte schon gleich:
-Formfleisch-Hinterschinken schreibt :D
Wenigstens sind sie ehrlich.
Ihr Beitrag, also dem Beitrag aus der Feder eines Fachmanns aus der Gastronomie, stimmt mich nachdenklich.
Sie schreiben, Ihr Mitbewerber verkaufe mit Formschinken belegte Biopizza. Anschließend fabulieren Sie, dass es sicherlich Verbraucher gibt, die darauf reinfallen werden, weil es dieses Produkt Ihrer Meinung nach gar nicht geben kann. Darüber hinaus betiteln Sie Formfleisch als Abfall. In Ihrem gesamten Beitrag aber liefern Sie kein einziges Argument dafür, um Ihre Behauptungen auch entsprechend zu untermauern.
Beide Behauptungen, also zum einen die, dass es keine Biopizza mit Formfleisch geben kann und zum anderen die, das Formfleisch aus Abfall besteht, sind falsch.
Ist Formfleisch Abfall?
Nach meiner Definition besteht Formfleisch aus unter Druck zusammengefügtem Fleisch. Punkt.
Im Fall der Pizza wurde offensichtlich Formschinken verwendet: Vorderschinken aus Formfleisch besteht aus unter Druck zusammengefügten Muskelfleischstücken. Der Fleischanteil ist identisch mit dem des Vorderschinkens.
Und bevor Sie nun wieder empört auf mich reagieren, ein kleiner Auszug aus den Begrifflichkeiten, die nicht von mir stammen, sondern vom Verbraucherschutz:
- Schinken, Vorderschinken und Formfleisch
- Schinken, Hinterschinken, Kochschinken, Hinterkochschinken = Muskelfleisch aus dem Hinterschenkel des Schweins, wie gewachsen, kaum Fett oder Bindegewebe, das hochwertigste Produkt
- Voderschinken = Muskelfleisch aus dem Schulterstück des Schweins, wie gewachsen, größerer Fett- und Bindegewebsanteil als Hinterschinken
- Formfleisch-(Vorder)schinken = Kochpökelwaren aus Muskelfleischstücken zusammengefügt, Fleischanteil entspricht dem des Schinkens bzw. Vorderschinkens
Quelle:
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/unser-land/ernaehrung-verbraucherschutz-schummelschinken-ID1254999813837.xml
Mitnichten besteht demnach Formfleisch aus Abfall. Mitnichten besteht ebenso Formfleisch-Vorderschinken aus Abfall. Der Anteil am Muskelfleisch, der den Vorderschinken charakterisiert, ist identisch. Wenn Sie sich den oben verlinkten Beitrag durchlesen, werden Sie auch in Erfahrung bringen können, dass ebenso alle weiteren Zutaten, wie z.B. das Pökelsalz, die zur Herstellung von Vorderschinken und Formfleisch-Vorderschinken benötigt werden, in identischen Massen Verwendung finden.
Beides ist somit ein identisches Produkt mit dem einzigen Unterschied, dass das Formfleisch aus Muskelfleischabschnitten besteht, die bei der Zerlegung des Schweins natürlicher Weise anfallen.
Sie meinen in Ihrem ganzen Beitrag das Schinkenimitat, das aus maximal 60 Prozent Fleisch, sehr viel Wasser und Stärke besteht. Das wird aber nach Ihrer eigenen Einlassung gar nicht verkauft. Denn Sie schreiben: "Was macht man da? Man schlägt halt unterm Kleingedruckten nach, wofür die Zahl steht. In dem Fall war es "Formschinken"."
Dieser so großlastige Fehler führt eigentlich Ihren gesamten Blogbeitrag ins Absurde. Da Sie aber so ausführlich zum Thema ausholen, sollten Sie sich fragen lassen, was Sie dazu treibt, derartigen Unfug in die Welt zu verbreiten.
Da mein Beitrag immer länger wird, nur noch kurz zum zweiten Punkt Ihrer Behauptung:
Formfleisch kann kein Bioprodukt sein?
Warum sollte das nicht der Fall sein. Hier kommt es doch entscheidend darauf an, ob das verwendete Muskelfleisch sowie alle anderen verwendeten Produkte aus bio-anerkannter Aufzucht und entsprechendem Anbau verwendet werden. Oder sind mitmal Muskelfleischabschnitte, die beim Zerlegen eines Schweins üblicher Weise anfallen, nicht mehr aus der Bioaufzucht, nur weil sie nicht im Ganzen vom Knochen des Tieres entfernt werden können?
Um im Fazit auf Ihren eigenen Beitragsaufmacher zurück zu kommen: Ich empfinde es ebenso nicht als Todsünde, kleinere Pizzen als angepriesen zu verkaufen, das bleibt schlichter Betrug. Aber erwähnenswert finde ich, dass ein professionell agierender Gastronom unter Vorspiegelung unwahrer und verdrehter Tatsachen über Mitbewerber negativ urteilt.
Ich fühl mich mal wieder in meinem Vegetarismus bestätigt...
@pizzaesser: Im Gegensatz zu Ihnen weiß ich was die Mitbewerber auf ihre Pizzen kriegen. Das Mistzeugs krieg ich nämlich unverlangt, wenn es Lieferprobleme mit dem echten Schinken gibt. Es ist Abfall. Ich würde es nicht essen und schon gar nicht verkaufen.
P.S.: Das waren übrigens die letzten Worte, die an Sie gerichtet habe. "Vorspiegelung falscher Tatsachen", meine Fresse.
Das nächste Mal fotografier ich mal das Zeugs und setz es hier rein. Kein Mensch, kauft so etwas freiwillig. Und wenn doch, dann ist dem echt nicht mehr zu helfen.
"@pizzaesser: Im Gegensatz zu Ihnen weiß ich..."
Woher?
Sie sollten sich schämen. Insbesondere Ihren Blog-Lesern gegenüber.
Doch, mich interessiert es, um auf den letzten Satz des Eintrags zu antworten - ist auch genau der Grund warum ich seit Jahren keine Pizza mit Schinken bestelle. Mir ist noch nie eine mit anständigem Schinken bei einem Bringdienst begegnet. Wenn jemand einen Bringdienst in Hannover kennen sollte, der echten Schinken und echte Putenbruststreifen verwendet, immer her damit!
Und ja... Formschinken ist aus Fleischstücken gepresster Schinken - und ich empfinde das Zeug auch eindeutig als Abfall. Ist einfach eklig!
pizzablog schrieb:
"Ne Biopizza mit Formschinken. So, so. Ich will nicht wissen, wieviele Kunden auf den Trick reinfallen"
Wo ist denn da der Trick?
Wir verwenden BIO-Formfleisch und auch BIO-Hackfleisch in unsererem Restaurant. Unsere Kunden und wir sind von der Qualität begeistert.
Da lese ich hier oben:
...Vorderschinken Lieferschwierigkeiten...Denn wir sind einer von 2 ... Betrieben, die den ECHTEN SCHINKEN bestellen...
Da stellen sich mir als Fleischermeister aber alle Borsten auf:
Das Schwein hat genau zwei Schinken: einen hinten links und einen hinten rechts PUNKT
Lediglich darf die Schweineschulter, wenn sie ähnlich einer Schinkenverarbeitungsart verarbeitet wird, als Vorderschinken in Verkehr gebracht werden.
Echter Schinken wird aus der Schulter dadurch aber niemals.
Somit ist es nicht nur ein Gebot der Fairness sondern auch vorgeschrieben, dass eine Schinken-Pizza ohne echten Schinken in der Fußnote als Vorderschinken oder Schinken aus Formfleisch deklariert werden muss.
Einen TOP BIO-Schinken-Pizza sollte also echten BIO-Schinken als Auflage haben.
Ob BIO-Formfleisch oder BIO-Schulter als Alternative akzetabel sind, kann nur der eigenen Geschmack und Geldbeutel entscheiden.
kleiner Zusatz:
Eine TOP Schinken-Pizza sollte also echten Schinken als Auflage haben.
Was mich mal ganz spontan interessieren würde: Gibt es eigentlich auch Todsünden bei vermeintlich "einfachen" Produkten wie Pizza Margherita, (normalen) Pizzabrötchen, Kräuterbutter und Aioli (Mal abgesehen von Analogkäse auf der Pizza)? Das ist eigentlich das einzige, was ich beim Lieferdienst bestelle :D
Zitat Pizzablog
"Biete doch Bio-Pizza an!" Hatten wir sogar ausprobiert mit Vollkorn-Teig
Warum begreifen fast alle Gastronomen nicht, dass Bio nichts mit Vollkorn zu tun hat.
Die Supermärkte machen ein Schweinegeld mit Bioprodukten für zu Hause und die Restaurants meinen immer noch, dass Bio gleich: Vollkorn, Tofu oder Grünkern ist.
leute, don´t feed the troll.
Pizzaesser hat (bewusst?!) eine ungültige emal angegeben.
auf sowas geh ich gar nicht ein.
Also: Fleisch ist nicht: gehirngewebe, horngewebe(fingernägel etc.) sowie knochen ... allerdings ist das knochenmark manchmal geschmakstrager (echte Hühner/schweine/kalbsbrühe)
in der grauzone ist: Augapfel/augenhornhaut, fleisch von geschlechtsteilen, gewebe der darmzotteln - bäh, ich muss mal kurz kotzen.
ausserdem ist mir in langjähriger berufserfahrung noch kein formfleisch mit unter 20% gelantineanteil untergekommen, aufgepeppt mit geschmacksverstärkern, salz und "gewürzextrakten" die in wirklichkeit aus schimmelpilzen gewonnen werden.
also wer nen salzigen, verschimmelten augapfel mit gelantinezugabe und knochenmarkextrakt als "Fleisch" zu sich nehmen möchte --- bitte sehr. ich hab mal gehört das heisst Kate Moss Diät...
(kein weiterer Text)
Bastard Pizzadriver from Hell
(PS: ich hab mit absicht hier nicht meine email angegeben, pizzabloger weis aber wer ich bin, ich denk ich)
friss mein sperma, das ist bio,
Nick Name
Zitat BPizzadriver_fH
"mein sperma, das ist bio"
Gib nicht so an! Auch wenn das BIO-Siegel bisher nicht für menschliche Produkte vergeben wird, hättest du dich, um es zu erhalten, dein Lebgen lang ausschließlich nach der EU-Öko-Verordnung produzierte Nahrungsmittel zu dir nehmen müssen.
Aufgeschreckt durch diesen Blog-Eintrag hatte ich gerade mit dem Inhaber der Fleischerei meines Vertrauens eine sehr aufschlussreiche Diskussion mit anschließender Verkostung.
Ausgehend davon, dass der von pizzablog angeprangerte Bio-Pizza-Kollege die Begriffe im Gegensatz zu pizzablog korrekt verwendet, würde ich die Pizza mit Formschinken vorziehen.
Denn bei der gerade durchgeführten BLINDverkostung der Fleischwaren konnte ich keinen Unterschied zwischen Schinken und Formschinken schmecken. Sehen kann man den Unterschied natürlich sofort. Den Vorderschinken konnte ich deutlich herausschmecken (schmeckte auch sehr gut, aber eben anders als Hinterschinken).
Ich gebe zu, dass ich bis zur Aufklärung durch meinen Fleischermeister nicht wusste, dass das Fleisch eines Formschinkens ausschließlich aus Stücken des hochwertigen, mageren echten Schinkens (Hinterschinkens) bestehen darf. Im Gegensatz dazu ist Vorderschinken oder Formvorderschinken aus der deutlich fetteren Schweineschulter (gewachsen bzw. gestückelt).
In der Hoffnung, dass alle Lieferanten und Gastronomen immer korrekt deklarieren, wünsche ich guten Appetit
@Bio: Ja nu, das ist nun mal das, was die Leute mit 'Bio' in Verbindung bringen. Wenn man also so etwas einführen will, muss man sich halt nach dem richten, was die Leute so erwarten.
Der Beitrag von "Guten Appetit" spricht mir aus der Seele: Wenn ich ausdrücklich eine Pizza mit Schinken bestelle, dann möchte ich, dass da Fleisch vom Schinken drauf ist und keine Schweineschulter. Es gibt nun mal nur einen echten Schinken.
Wenn ich einen Hähnchenschenkel bestelle, dann willl ich doch auch nicht einen Flügel haben.
Wenn ich ausdrücklich Parmesan haben möchte dann will ich auch kenen anderen Hartkäse wie zB Grana Padano.
usw. usw. usw.
Chefs, die das nicht wollen oder können, sehen dafür dann auch keien Cent von mir.
Pizzablog, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten. Denn Mitbewerber zu verunglimpfen, kann schnell nach hinten losgehen, wenn man selber gar keinen Plan von der Materie (Schinken) hat.
"@Bio: Ja nu, das ist nun mal das, was die Leute mit 'Bio' in Verbindung bringen. Wenn man also so etwas einführen will, muss man sich halt nach dem richten, was die Leute so erwarten."
Äh, wer sind denn diese "Leute"?
@magolassi: Mein 08/15-Kunde hier im Umkreis. Wir sprechen hier von ner ländlichen Gegend mit sehr konservativem Geschmack. In ner Studentenstadt sähe das vermutlich wieder anders aus.